Brennen, Stechen, ein ständiges Sandkorngefühl, Rötungen, verklebte Lider am Morgen oder eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit: Das „Trockene Auge“ (Keratoconjunctivitis sicca) ist längst zu einer der häufigsten Diagnosen in der Augenarztpraxis geworden. Viele Betroffene wundern sich über die Diagnose, weil ihre Augen phasenweise stark tränen. Doch gerade das reflektorische Tränen ist oft ein Alarmsignal dafür, dass die Zusammensetzung des Tränenfilms gestört ist.
Ein intakter Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer Schleimschicht (Muzin), einer wässrigen Schicht und einer hauchdünnen äußeren Fettschicht (Lipidschicht). Ist die Lipidschicht instabil, verdunstet das Tränenwasser zu schnell – die Hornhaut trocknet stellenweise aus und entzündet sich mikroskopisch.
- Bildschirmarbeit („Office Eye Syndrom“): Beim konzentrierten Blick auf Monitore oder Smartphones sinkt die Lidschlagfrequenz drastisch – von normalen 15-mal auf bis zu 4-mal pro Minute.
- Umwelteinflüsse: Trockene Heizungsluft, Klimaanlagen im Auto oder Büro, Zugluft und Staub.
- Meibomdrüsen-Dysfunktion (MGD): Eine Verstopfung oder Entzündung der Talgdrüsen an den Lidkanten ist für über 80 % aller Fälle verantwortlich.
- Allgemeinerkrankungen & Medikamente: Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, aber auch Antidepressiva, Betablocker oder hormonelle Umstellungen (Wechseljahre).
- Kontaktlinsentragen: Jahrelanges Tragen von Kontaktlinsen kann die Sensibilität der Hornhaut verändern und den Tränenfilm beeinträchtigen.
Standard-Augentropfen aus der Apotheke bringen oft nur kurzfristige Linderung, weil sie die eigentliche Ursache nicht beheben. In unserer Spezialsprechstunde gehen wir der Sache auf den Grund:
- Meibographie & Lipidschicht-Messung: Berührungslose Infrarot-Aufnahmen zeigen uns exakt, ob und wie viele Talgdrüsen verstopft oder bereits geschrumpft sind.
- Tränenfilm-Aufreißzeit (BUT – Break-up Time): Wir messen auf die Sekunde genau, wie lange der Tränenfilm zwischen zwei Lidschlägen stabil bleibt.
- Färbetests: Schonende Farbstoffe (z. B. Fluoreszein) machen feinste Hornhautläsionen und Entzündungsareale sichtbar.
Basierend auf den Befunden erstellen wir Ihren individuellen Stufenplan:
- Maßgeschneiderte Tränenersatzmittel: Auswahl von Augentropfen mit passender Viskosität, Hyaluronsäure oder lipidhaltigen Emulsionen – grundsätzlich frei von schädlichen Konservierungsstoffen.
- Gezielte Lidrandhygiene & Wärmetherapie: Anleitung zur fachgerechten Verflüssigung gestauter Sekrete in den Drüsen und sanften Ausreinigung der Lidkanten.
- Entzündungshemmende Augentropfen: Bei chronischen Reizzuständen setzen wir zeitlich begrenzt milde antientzündliche Wirkstoffe (wie Ciclosporin A) ein, um den Teufelskreis zu durchbrechen.
- Punctum Plugs: Bei ausgeprägtem Mangel an Tränenflüssigkeit können winzige, schmerzfrei einsetzbare Silikonstöpsel die Abflusskanäle temporär verschließen, damit die eigene Feuchtigkeit länger im Auge verbleibt.

